«Mit den YOG können wir ein neues medizinisches Fachgebiet entwickeln: die Sportmedizin für Jugendliche»

Dr. Tercier, welches medizinische Dispositiv wird für die Olympischen Jugend-Winterspiele Lausanne 2020 entwickelt?
Dr. Stéphane Tercier (ST), Sportarzt und Chirurg für Kinder, Leiter des Zentrums Santé Ado Sport am CHUV, verantwortlich für die medizinischen Leistungen von Lausanne 2020: Unser medizinisches Konzept «Health for Performance» kann mit drei Worten zusammengefasst werden: Ganzheitlichkeit, Interdisziplinarität und Sensibilisierung. Unser oberstes Ziel ist, die Jugendlichen ins Zentrum des medizinischen Dispositivs zu stellen, dessen interdisziplinäre Ansatz ihre Gesundheit ganzheitlich und individuell beurteilt, ohne sich auf die Versorgung ihrer Beschwerden (Verletzung oder Krankheit) zu beschränken. Wir wollen zudem den Aufenthalt der jungen Sportlerinnen und Sportler in unserem Dispositiv dazu nutzen, sie für die Vorteile zu sensibilisieren, die eine vollständige Gesundheit auf ihre Leistung hat. So wird beispielsweise für die Prävention ein Zahnarzt-Bus im olympischen Dorf stationiert sein, bei dem alle interessierten Sportlerinnen und Sportlern ihre Mundgesundheit prüfen lassen können.

Welche Neuigkeiten werden Sie anbieten, die durch die YOG Lausanne 2020 auf die Versorgung von jugendlichen Sportlerinnen und Sportlern einen lokalen und langfristigen Einfluss haben könnten?
ST
: Im Rahmen des Bildungsprogramms der YOG entwickelt das medizinische Team des Zentrums Santé Ado Sport (SAS360) des CHUV in enger Zusammenarbeit mit seinen Partnern des Zentrums für Sport und Gesundheit von Dorigny und der ETH Lausanne mehrere Präventionsmodule. Die Athletinnen und Athleten können so mit der virtuellen Realität auf originelle Art für das Risiko einer Hirnerschütterung sensibilisiert werden oder mit Spielen und neuen Technologien spielerisch ihre Bewegungen und ihre Koordination beurteilen und Tipps für die Verbesserung dieser Aspekte erhalten. Alle während der YOG beurteilten und mit anderen verbundenen Module werden in naher Zukunft ermöglichen, den jungen Sportlerinnen und Sportlern aus der Region eine innovative sportmedizinische Beurteilung zu bieten.

Wie wichtig ist es für das CHUV, Teil einer solchen Veranstaltung zu sein?
ST
: Die YOG sind eine einmalige Gelegenheit für die Entwicklung eines neuen medizinischen Fachgebiets: der Sportmedizin für Jugendliche. Mit einer solchen Veranstaltung können die transversalen Beziehungen und die Zusammenarbeit mit unseren institutionellen Partnern gestärkt werden. Dabei werden die Kompetenzen zusammengelegt, um die kollektive Intelligenz zu nutzen. Für das CHUV und das Departement Frau–Mutter–Kind ist dies zudem eine interessante Gelegenheit, sich der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren, unter anderem in Bezug auf das lokale Fachwissen im Bereich Jugendmedizin und die Unterstützung der jungen Sportlerinnen und Sportler. Als Ärzte können wir die meisten «Verletzungen» heilen. Die Herausforderung der Zukunft wird sein, sie vorzubeugen oder sie zumindest frühzeitig zu erkennen.

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