Die Zeitnehmer, Wächter über die Zeit

Bei einer olympischen Medaille geht es um Hundertstel Sekunden und punktgenaue Präzision. Hinter den sportlichen Leistungen garantiert Omega als offizieller Olympischer Zeitnehmer die Legitimität der Ergebnisse der YOG.

Johan Tachet, SkiActu

Sieg oder Niederlage. Ruhm oder Enttäuschung. Mitunter genügt fast ein Nichts, um Sportgeschichte zu schreiben. Ein Hauch, der sich kaum in einer Hundertstel Sekunde oder einem halben Punkt erfassen lässt. Hinter den Leistungen, die über die Platzierungen der Athleten entscheiden, stehen die Wächter über die Zeit, über die Punkte und damit über die Rangliste der Athleten.

Simon Bruty, OIS

Man nennt sie die Zeitnehmer. Eine Aufgabe, die Omega, seit 1932 offizieller Partner der Olympischen Spiele, auch für die YOG in Lausanne übertragen wurde. "Unsere Aufgabe ist es, den Athleten die Ergebnisse zu liefern, und dazu müssen wir alle Informationen und Daten zur Zeitmessung und zum Ergebnis verwalten und verarbeiten", erklärt Alain Zobrist, CEO bei Omega Timing.

Sei es auf den Großbildschirmen der verschiedenen Wettkampfstätten, auf Ihren Fernsehgeräten oder auf den betreffenden Websites, sämtliche Zahlenangaben werden vom offiziellen Zeitnehmer dieser Spiele bereitgestellt und verwaltet. "Natürlich profitieren wir von einer starken Öffentlichkeitswirkung, tragen aber auch eine enorme Verantwortung. Wir dürfen uns nicht den geringsten Fehler erlauben," so Zobrist weiter.

Drei Back-up Systeme

Im Auftrag dieser YOG wurden 60 Tonnen Material zu den Wettkampfstätten geschafft und 150 Personen verwalten das gesamte Zeitmesssystem, das vollständig in der Schweiz entwickelt wurde.

Chloe Knott, OIS

Die technologische Entwicklung hat es möglich gemacht, ein Verfahren zu computerisieren, das lange Zeit manuell durchgeführt wurde. Um jegliche Probleme im Falle einer technischen Störung zu vermeiden, verfügt das Hauptsystem selbstverständlich über mehrere Backup-Vorrichtungen zur Sicherung im Notfall. 

"So arbeiten wir zum Beispiel beim Ski Alpin mit zwei Zeitnahmezellen an der Ziellinie. Mit der ersten Zelle, und für den Fall, dass diese nicht funktionieren sollte, mit einer Ersatzzelle. Als dritte Sicherung ist an der Ziellinie zudem eine Kamera installiert. Und wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch eine manuelle Zeitnahme", fährt Alain Zobrist fort.

Einsatz bei extremen Temperaturen

Obwohl das IOC die YOG nutzt, um insbesondere bei neuen Sportarten und Disziplinen für die zukünftigen Olympischen Spiele Versuche durchzuführen, arbeiten die Zeitnehmer in Lausanne mit einem Equipment, das bereits seit vielen Monaten in verschiedenen Wettkämpfen getestet und erprobt wurde.

"Wir entwickeln unsere Systeme laufend weiter und greifen dazu auf das Feedback von Zeitnehmern und Ingenieuren ebenso zurück wie auf die Rückmeldungen der Athleten und der Verbände selbst. Denn wir müssen Spitzenleistungen liefern." So müssen die Geräte beispielsweise auch bei extremen Temperaturen einwandfrei und zuverlässig funktionieren. "Zwischen -50° und 80°", erläutert Alain Zobrist. "Beim Abfahrtstraining in PyeongChang betrug die Temperatur eines Morgens beim Start -40°, und es gab keine Probleme ."

Natürlich muss das System an jede Sportart entsprechend ihrer jeweiligen Regeln angepasst und jedes Mal von dem betreffenden Verband genehmigt werden. So erfolgt die Zeitnahme bei einem Skirennen nicht auf dieselbe Weise wie beim Biathlon. 

"Dank der an der Ziellinie aufgestellten Kamera, die 10.000 Bilder pro Sekunde aufnimmt, können wir die Zeit auf die Tausendstelsekunde genau erfassen", erklärt Alain Zobrist am Beispiel Short Track. Hier handelt es sich um Größenordnungen , die wir nicht mit dem bloßen Auge erkennen können."

So ist es mitunter nur ein noch so winziger Abstand, der Triumph und Ruhm von Niederlage und Anonymität trennt…