Die Olympia-Bobbahn ist das zweite Zuhause für eine lokale Bob-Legende

Nach einem langen Weg neben der Bahn erreichte Giancarlo Torriani den Startbereich des Olympia Bob Run St. Moritz für eine wohlverdiente Kaffeepause.

Niemand kennt die Bahn und den symbolträchtigen Veranstaltungsort, an dem bereits zwei Winterspiele stattfanden, besser als Torriani, der frühere Schweizer Meister im Bobrennen, der in der Nähe von St. Moritz aufwuchs.

Er kennt alle Kurven und Ecken der weltweit ältesten Bobbahn, wo die Bob-, Skeleton- und Rennrodel-Wettkämpfe der Olympischen Jugend-Winterspiele Lausanne 2020 stattfinden.

Giancarlo Torriani | Laura Godenzi/IOC Young Reporters

Als Schweizer Meister im Bobrennen im Jahre 1972 und Vorsitzender des Verbands Swiss Sliding Federation von 1988-1998 arbeitet der 72-jährige Torriani heute ehrenamtlich am Veranstaltungsort der Bobschlitten-Wettkämpfe für die Olympischen Spiele.

“Es handelt sich um eine Natureisbahn, was einmalig ist. Jeden Winter wird sie von einem 15-köpfigen Team aus Südtirol aufgebaut”, sagte Torriani und nimmt dabei Bezug auf die Gebirgsgegend Nordostitaliens.

“Einer von ihnen, Alfred, trägt immer ein kleines Notizbuch bei sich. Es enthält eine ganze Reihe von Geheimnissen über den Bauablauf. Keiner ausser ihm darf hineinsehen, nicht mal sein Sohn, der auch einer der Arbeiter ist.”

Auf der Bahn von St. Moritz fanden die Olympischen Winterspiele 1928 und auch 1948 statt.

Olympic Channel Video: bobsleigh-sport-explainer-lausanne-2020

Die Athleten begeben sich in ein Labyrinth aus Kurven, gleich nachdem sie durch den berüchtigten Horse Shoe gefahren sind. Während des Herabfahrens in rasanter Geschwindigkeit erleben sie starke G-Kräfte, die ihre Schlitten an die Seitenwände der Bahn schleudern können.

“Alle fürchten sich ein wenig vor dem Horse Shoe. Ich habe mir das Rennen immer vorher vorgestellt”, sagte Torriani. “Ich würde sogar davon träumen und mir vorstellen, wie ich selbst die Bahn hinunterfahre. Es ist ehrlich eines der besten Erlebnisse überhaupt.”

Bobschlitten-, Skeleton- und Rennrodel-Wettkämpfe werden zeitweise von Millisekunden entschieden, und so erinnert sich Torriani daran, wie die Verantwortlichen einander anrufen mussten, um die Endergebnisse zu notieren.

Luge slider Barbara Allmaier (AUT) | Thomas Lovelock for OISphotos.com

“Deshalb nennt sich eine der Kurven die Telephone Corner”, sagte er. “Jemand musste einen Verantwortlichen beim Sunny Club anrufen, einem kirchenähnlichen Gebilde auf der Hälfte der Bahn, um die Zwischenzeiten zu bestätigen.”

Während sein Kaffee in dem kleinen Café in der Nähe der Startlinie gebraut wird, sagte Torriani, dass er den Beginn der Bobwettkämpfe an seinem “zweiten Zuhause” nicht erwarten könne.

“Wir können der Welt zeigen, dass wir die Spiele ausrichten können, ohne Millionen von Euro zu investieren”, sagte er. “Alles ist am Veranstaltungsort vorhanden, um die Spiele wirklich zu einem unvergesslichen Wettkampf für alle Athleten zu machen.”

Vom Olympic Information Service

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